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Diffraktive optische Elemente: Warum Know-how heute zum Wettbewerbsvorteil wird

Technologien

Viele Unternehmen haben sich bereits mit diffraktiven optischen Elementen (DOEs) beschäftigt und sich bewusst dagegen entschieden. Oft aus nachvollziehbaren Gründen: Die Entwicklung galt als komplex, die Herstellung als teuer und der praktische Nutzen schien den Aufwand nicht zu rechtfertigen.
Heute lohnt es sich jedoch, diese Entscheidung zu hinterfragen. Neue Fertigungstechnologien und leistungsfähigere Simulationsmethoden haben die Möglichkeiten von DOEs in den letzten Jahren grundlegend verändert.
Die richtige Technologie ist wichtig. Ob daraus auch ein Wettbewerbsvorteil entsteht, entscheidet jedoch das Know-how rund um Entwicklung, Simulation und Herstellbarkeit.

Warum sich DOEs heute erneut lohnen können

Diffraktive optische Elemente ersetzen klassische Optiken nicht grundsätzlich. Sie erweitern deren Möglichkeiten und ermöglichen optische Funktionen, die mit klassischen optischen Systemen oft nur mit deutlich höherem Aufwand oder teilweise gar nicht realisierbar sind.

Abbildung 1: Ein einziges diffraktives optisches Element kann mehrere optische Funktionen übernehmen. Moderne Fertigungs- und Simulationsverfahren machen diese Möglichkeiten heute zunehmend auch für industrielle Anwendungen wirtschaftlich nutzbar. Abbildung: Helbling 

Für Unternehmen bedeutet das ganz konkrete Vorteile. Mehrere optische Funktionen lassen sich häufig in einem einzigen Bauteil vereinen. Dadurch können optische Systeme kompakter aufgebaut, die Anzahl Komponenten reduziert und der Justageaufwand verringert werden. Gleichzeitig ermöglichen DOEs Funktionen wie strukturierte Beleuchtung für 3D-Sensing, präzises Beam Shaping für LiDAR-Systeme oder eine gleichmässige Energieverteilung in Lasersystemen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Anwendungen in der Medizintechnik, Sensorik, Messtechnik oder im autonomen Fahren.

Ein Beispiel dafür ist die aktive Intraokularlinse, die Helbling gemeinsam mit dem US-Medtech-Unternehmen Elenza entwickelt hat. Dabei ermöglicht ein DOE in Kombination mit einer Flüssigkristallzelle die automatische Anpassung der optischen Stärke und simuliert so die natürliche Akkommodationsfähigkeit des menschlichen Auges. Patienten können dadurch Objekte in unterschiedlichen Entfernungen scharf sehen, ohne auf mehrere optische Systeme angewiesen zu sein.

Noch vor wenigen Jahren waren viele dieser Anwendungen wirtschaftlich kaum realisierbar. Moderne Herstellungsverfahren wie Nanoimprint, Wafer-Level-Produktion, Injection Molding oder Direct Laser Writing verändern diese Ausgangslage. Sie ermöglichen eine präzisere und wirtschaftlichere Herstellung und machen DOEs zunehmend auch für grössere Stückzahlen interessant

Abbildung 2: Die optische Funktion eines DOE entsteht durch die gezielte Auslegung seiner Mikrostruktur. Genau hier entscheidet sich, welche Anwendungen technisch und wirtschaftlich  realisierbar werden. Abbildung: Helbling 

Die grösste Herausforderung liegt nicht in der Idee

Viele DOE-Projekte beginnen mit einer überzeugenden technischen Idee. Schwierigkeiten entstehen häufig erst später.

Eine typische Herausforderung ist etwa die Herstellbarkeit. So kann ein DOE in der Simulation hervorragende Ergebnisse liefern und trotzdem an den realen Fertigungstoleranzen scheitern oder sich nur mit unverhältnismässig hohen Kosten produzieren lassen. Ebenso wird der Entwicklungsaufwand häufig unterschätzt.

Ein weiterer häufiger Stolperstein ist die Wahl des Simulationsmodells. Beruht dieses auf ungeeigneten Annahmen, weichen Simulation und tatsächliche Performance teilweise erheblich voneinander ab. Das führt zu unnötigen Iterationen, zusätzlichen Prototypen und steigenden Entwicklungskosten.

 

“Ein Simulationsmodell, das auf unpassenden Annahmen beruht, liefert falsche Resultate und führt zu Misserfolg.” Dr. Helen Wächter 

 

Materialwahl, Fertigungstechnologie und erreichbare Präzision sollten deshalb nicht erst gegen Ende eines Projekts betrachtet werden. Sie gehören bereits in die Konzeptphase.

 

Erfolgreiche Projekte treffen die richtigen Entscheidungen früh

Der Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten DOE-Projekten liegt häufig nicht in der Qualität der Idee, sondern in den Entscheidungen, die zu Beginn der Entwicklung getroffen werden.

Erfolgreiche Projekte stellen die entscheidenden Fragen früh. Welche optische Funktion wird tatsächlich benötigt? Welches Simulationsmodell bildet die physikalischen Zusammenhänge ausreichend genau ab? Welche Fertigungstechnologie eignet sich für die geplante Anwendung? Welche Toleranzen sind realistisch erreichbar? Und lässt sich das Design später wirtschaftlich in Serie herstellen?

Für die Modellierung stehen unterschiedliche Verfahren wie die Rigorous Coupled Wave Analysis (RCWA), die Thin Element Approximation (TEA), die Beam Propagation Method (BPM) oder die Wave Propagation Method (WPM) zur Verfügung. Jedes besitzt spezifische Stärken und Grenzen. Entscheidend ist deshalb nicht, das leistungsfähigste Verfahren auszuwählen, sondern dasjenige, dessen Annahmen zur jeweiligen Aufgabenstellung passen. Genau hier entscheidet sich häufig, ob ein Projekt effizient vorankommt oder durch unnötige Iterationen Zeit und Budget verliert.  

 

Zwischen Euphorie und Ablehnung

In Gesprächen mit Unternehmen zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Einige betrachten DOEs als nahezu universelle Lösung für optische Herausforderungen. Andere schliessen ihren Einsatz von Beginn an aus, weil sie sie als zu komplex oder zu teuer einschätzen.

Beides führt selten zu den besten Ergebnissen. Gerade für Unternehmen, die nur gelegentlich mit diffraktiven optischen Elementen arbeiten, ist es schwierig zu beurteilen, welche Designs vergleichsweise einfach realisierbar sind und welche hohe Anforderungen an Simulation, Fertigung oder Toleranzen stellen. Eine fundierte Bewertung setzt deshalb Erfahrung über den gesamten Entwicklungsprozess voraus.  

 

Die Entwicklung steht erst am Anfang

Die Dynamik in diesem Technologiefeld nimmt weiter zu.

Ein besonders spannender Entwicklungsschritt ist der Übergang von klassischen DOEs zu Metasurfaces und Nanostrukturen. Diese ermöglichen ultradünne optische Elemente und Funktionen, die mit klassischen Optiken kaum oder gar nicht realisierbar sind, beispielsweise polarisationsabhängige Optiken. Gleichzeitig treiben moderne Fertigungstechnologien die Miniaturisierung und Massenintegration weiter voran.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Entscheidungen, die vor einigen Jahren richtig waren, sollten heute nicht automatisch als weiterhin gültig betrachtet werden.

 

“Bei den Herstellmethoden für DOEs war der Fortschritt in jüngster Vergangenheit beträchtlich. Es lohnt sich, heute erneut zu prüfen, ob ein DOE eine geeignete Lösung für ein optisches System sein könnte.”

Dr. Helen Wächter

 

Know-how macht aus Potenzial marktfähige Innovation

Diff raktive optische Elemente eröffnen also neue Möglichkeiten. Damit daraus auch ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht, müssen Unternehmen erkennen, wo DOEs echten Mehrwert schaffen, welche Entwicklungsstrategie zur Anwendung passt und welche Risiken bereits in der Konzeptphase berücksichtigt werden müssen.

Als technologieunabhängiger Entwicklungspartner begleitet Helbling Unternehmen von der Bewertung verschiedener Lösungsansätze über die Auswahl geeigneter Simulationsmethoden bis zur fertigungsgerechten Entwicklung.

Denn der Unterschied zwischen einer guten Idee und einer erfolgreichen Innovation entscheidet sich selten erst in der Fertigung. Er entsteht bereits zu Beginn der Entwicklung.

 

Autorin: Dr. Helen Wächter Fischer

Hauptbild: Helbling

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Dr. Helen Wächter Fischer

Stationsstrasse 12
3097 Liebefeld-Bern

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